Filmkritik "Michael" (WDR, 25.1.2012)
Es war wohl nur eine Frage der Zeit, dass im Land von Natascha Kampusch und Joseph Fritzl ein Drama um sexuellen Kindesmissbrauch seinen Weg auf die Leinwand fand. Den ersten Beitrag zu diesem gesellschaftlich aktuellen Thema hat der Österreicher Markus Schleinzer gedreht. Der Österreicher wurde 1971 in Wien geboren und arbeitete zuvor als Casting-Direktor für so namhafte Regiegrößen wie Michael Haneke, Jessica Hausner oder Benjamin Heisenberg. Sein Regiedebüt "Michael" gilt schon jetzt als einer der unbequemsten Filme der letzten Jahre. Nach der Weltpremiere auf den Filmfestspielen in Cannes polarisierte das Drama um einen pädophilen Mann gleichermaßen Presse und Publikum, zudem gewann der Regisseur schon zahlreiche Preise, zuletzt in Saarbrücken den Max- Ophüls- Preis.
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Thielemanns Weihnachtsoratorium in Dresden (DLF, 16.12.2011)
Mit seinen Wagner-, Strauss-, Brahms-, Beethoven- und Brucknerinterpretationen empfiehlt sich Christian Thielemann seit Jahren als einer der größten Dirigenten unserer Zeit. Erstmals erweitert der Berliner in diesem Winter sein Repertoire mit geistlicher Musik von Johann Sebastian Bach. An zwei Abenden hat der angehende Chefdirigent der Dresdner Semperoper mit der Sächsischen Staatskapelle und dem Kammerchor der Dresdner Frauenkirche alle sechs Kantaten von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium aufgeführt und sich damit nach eigenen Worten einen lang gehegten Wunsch erfüllt.
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10. Kronberg Cellofestival (SWR, 7.10.2011)
Alle zwei Jahre verwandelt sich das kleine verschlafene Taunusstädtchen Kronberg bei Frankfurt zu einer Cellometropole. Es war Raimund Trenkler, der 1993 auf die Idee kam, an diesem Ort ein eigenes Festival ins Leben zu rufen. Alle zwei Jahre findet seither in der "Welthauptstadt des Violoncellos" - wie der legendäre Cellist Mstislaw Rostropwitsch den kleinen Ort adelte – das Cellofestival statt, das sich längst international etabliert hat. Die Kronberg Academy, die es ausrichtet, hat ihr Angebot längst auch für andere Streichergruppen erweitert, regelmäßig veranstaltet sie Workshops und Meisterklassen für Cellisten, Geiger und Bratscher, aller vier Jahre richtet sie den Wettbewerb Grand Prix Emanuel Feuermann aus und seit einigen Jahren fördert sie hochbegabte junge Musiker mit einem Elitestudiengang. In diesem Jahr feierte das Cellofestival seinen zehnten Geburtstag. Zu den geladenen namhaften Interpreten zählten u.a. Mischa Maisky, Maria Kliegel, David Geringas, Arto Noras oder Alban Gerhardt.
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Filmkritik "Das kleine Zimmer" (WDR, 29.9.2011)
Wie und wo verbringt man am besten seinen Lebensabend, wenn die physischen
Kräfte nachlassen? In der eigenen Wohnung, stundenweise betreut von einer
geschulten Altenpflegerin oder doch besser in einem Seniorenheim?
Schon in den 1970er Jahren warf das Kino eher ein ernüchterndes Licht auf
solche Einrichtungen, erinnert man sich nur an so wunderbare Komödien wie "Lina
Braake" oder "Der Pfingstausflug", die sich für die Rechte der Alten stark
machen. Im Laufe von Jahrzehnten scheint sich die Lage - offenbar auch in der
benachbarten Schweiz - kaum verändert zu haben. So erzählen Stéphanie Cuhat
und Véronique Reymond in ihrem Film "Das kleine Zimmer" von einem alten
Mann, der sich strikt weigert, in ein Heim zu gehen und dank der Hilfe einer
jungen Betreuerin darum herum kommt.
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Enescu-Musikfestival Bukarest (BR, 21.9.2011)
George Enescu und Sergiu Celibidache, die beide in Rumänien geboren wurden und bevorzugt in Paris lebten - das sind bis heute die beiden bekanntesten und bedeutendsten Musiker aus Rumänien. Nach Enescu ist auch ein Festival benannt, das alle zwei Jahre stattfindet. Es gilt in Osteuropa als eines der größten und bedeutendsten Musikfestivals und findet mehr und mehr auch internationale Beachtung. In diesem Jahr feierte das Festival seinen 20. Geburtstag, bei dem sich namhafte Dirigenten- und Solistengrößen einfinden, zu denen Daniel Barenboim, Zubin Mehta, Valery Gergiev, Isabelle Faust oder Nikolaj Znaider zählen. Für den barocken Originalklang ist mit erstklassigen Spezialensembles ebenso gesorgt wie für die zeitgenössische Musik, der in der 20. Ausgabe im Jubiläumsjahr eine eigene Reihe gewidmet war. Austragungsorte des Festivals sind das historische Athenäum sowie der große Sendesaal des Rumänischen Rundfunks.
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Rezension des Filmes "Le Havre" von Aki Kaurismäki (WDR, 17.9.2011)
Loser, Gestrandete, kleine Angestellte, Erwerbslose, Clochards oder
Bohemiens sind stets die Helden im Kino des finnischen Meisterregisseurs Aki
Kaurismäki, der vor allem für Klassiker wie "Leningrad Cowboys Go America",
"Das Leben der Bohème" oder "Wolken ziehen vorüber" international bekannt
wurde. In diesem Frühjahr bei den Filmfestspielen in Cannes hatte sein jüngstes
Werk "Le Havre" Premiere und fand gleichermaßen Beachtung bei Presse und
Publikum. Einmal mehr steht in diesem Film ein armer Schlucker im Zentrum,
der aber trotz eigenen Nöten einem afrikanischen Flüchtlingskind hilft, das
die französische Polizei abschieben will.
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Europäische Erstaufführung "Lichtes Spiel" von Wolfgang Rihm in Wiesbaden (DLF, 28.8.2011)
Der Komponist Wolfgang Rihm und die Stargeigerin Anne-Sophie Mutter kennen sich schon seit vielen Jahren. 1992 schrieb Rihm, angeregt von dem einflussreichen Schweizer Dirigenten Paul Sacher, erstmals ein Stück für Violine und Orchester unter dem Titel "Gesungene Zeit" für sie. Jetzt hat er ihr ein neues Werk für diese Besetzung zugeeignet, es trägt den Titel "Lichtes Spiel". Im November vergangenen Jahres kam es in New York zur Uraufführung, jetzt erlebte das Stück seine europäische Erstaufführung beim Rheingau-Musikfestival in Wiesbaden. Die musikalische Leitung am Pult des Pittsburgh Symphony hatte Manfred Honeck.
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Eindrücke vom Lucerne Festival (DLF, 23.8.2011)
Die Bayreuther und die Salzburger Festspiele gehen in den letzten
Augusttagen zu Ende. Das Lucerne Festival am Vierwaldstätter See ist dagegen
noch voll in vollem Gange. Auch in diesem Jahr gibt es ein übergeordnetes
Thema: die Nacht. Viele renommierte Solisten, Ensembles, Dirigenten und Orchester sind zuGast, darunter auch das West-Eastern-Divan Orchestra unter Daniel Barenboim.
Auch die zeitgenössische Musik hat einen festen Platz in diesem Festival
unter der Intendanz von Michael Haefliger. Der ambitionierte Plan einer
eigenen Salle Modulable für das zeitgenössische Musiktheater hat sich zwar
zerschlagen, aber außergewöhnliche interdisziplinäre Produktionen werden
gleichwohl in dem malerisch am See gelegenen Kultur- und Kongresszentrum
geboten.
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Besuch im neuen Elisabeth Schwarzkopf-Museum (SWR, 19.8.2011)
Sie war eine Jahrhundertsängerin, und doch war die große Laufbahn von
Elisabeth Schwarzkopf zeitlebens überschattet von ihrem Beitritt zur NSDAP
im Jahr 1941. Allen voran ihr Biograph Alan Jefferson begründete diesen
Fehltritt mit persönlichem Ehrgeiz und Egoismus.
In dem schriftlichen Nachlass der 2006 verstorbenen Interpretin sind jedoch
mittlerweile Dokumente aufgetaucht, die ein anderes Licht auf ihr Leben in
den Zeiten des Nationalsozialismus werfen. Als Dauerleihgabe übergab
Schwarzkopfs Notar den Nachlass den Schubertiade-Musikfestspielen im
Vorarlberger Hohenems. Dort hat nun der Schubertiade-Chef Gerd Nachbauer der
Sängerin in seiner Villa Rosenthal ein eigenes Museum eingerichtet, in dem
ausgewählte Stücke dieses Nachlasses zu sehen sind. Nicht zu sehen ist dort
allerdings ein wichtiges Dokument, das über Elisabeth Schwarzkopfs
Parteibeitritt in entlastender Weise Auskunft gibt. Beim Besuch im Museum
kam es zu einem unerhörten Eklat.
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64. Filmfestspiele Locarno (NDR, Journal, 12.8.2011)
Bei den 64. Filmfestspielen in Locarno gingen 20 Produktionen, darunter auch
einige in deutscher Koproduktion, ins Rennen um den Goldenen Leoparden für
den besten Film sowie um die Leoparden für die beste Regie sowie für die
besten Hauptdarsteller. Da die großen A-Festivals schon seit Jahren um die
besten Beiträge konkurrieren und die namhaften, etablierten Regisseure ihre
Werke bevorzugt in Cannes und Venedig zeigen, geht es Locarno ähnlich wie
der Berlinale: Im Wettbewerb fehlen die großen Namen. Doch das eigentliche
Herzstück im Tessin ist ohnehin das Freilichtkino auf der Piazza Grande,
einem riesigen Platz, der bis zu 8000 Zuschauer aufnehmen kann.
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33. Moskauer Filmfestival (Deutschlandradio, 2.7.2011)
In Cannes gibt es die Goldene Palme für den besten Film, in Berlin den Goldenen Bären, in Venedig einen Goldenen Löwen und im russisch-orthodoxen Moskau den Goldenen Georg. Mit einer Preisverleihung in Anwesenheit der Jury unter dem Vorsitz der amerikanischen Filmschauspielerin Geraldine Chaplin ging am 2. Juli 2011 das 33. Internationale Filmfestival in Moskau zu Ende. Insgesamt 18 Filme aus West- und Osteuropa, Japan und China konkurrierten an zehn Tagen um die Haupttrophäe. Das Festival gilt neben dem Karlovy Vary Festival in Karlsbad als das größte Filmfestival Osteuropas und bot auch in diesem Jahr mit neun Beiträgen aus Russland, Bulgarien, Ungarn und Polen der osteuropäischen Filmkunst eine wichtige Plattform.
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Letzte Salzburger Pfingstfestspiele unter Riccardo Muti (MDR, 11.6.2011)
Zum fünften und letzten Mal prägt die Neapolitanische Opernschule das Programm der Salzburger Pfingstfestspiele. "Neapel- Metropole der Erinnerung", so hat Riccardo Muti seine Reihe betitelt, - mit dem Anliegen, die engen Verbindungen von Wien und Neapel im 18. Jahrhundert aufzuzeigen.
Ins Zentrum seiner letzten Festspiele unter seiner künstlerischen Leitung hat Muti eine vergessene Oper des heute kaum bekannten Saverio Mercadante gerückt, geboren 1795 in Apulien. Zu seinen Lebzeiten war Mercadante, der an den größten italienischen Opernhäusern, aber auch am Wiener Kärtnertortheater, in Spanien und Portugal große Erfolge feierte, ebenso bekannt wie Vicenzo Bellini. Rossini beauftragte ihn mit einer Oper für sein Théatre Italien in Paris. Bis zu seinem Tod anno 1870 wirkte Mercadante dann als Direktor des Konservatoriums von Neapel.
Der Neapolitaner selbst kürte seine Oper "Virginia" zu seinem größten Meisterwerk. Riccardo Muti aber hat sich zur Einstudierung mit seinem Orchestra Giovanile Luigi Cherubini für ein anderes Werk mit dem Titel "I due Figaro" entschieden.
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Auftakt Festspiele Bergen (Deutschlandfunk, 27.5.2011)
Das malerisch gelegene, von Fjorden umgebene norwegische Bergen ist schon seit 1953 eine Festspielstadt. Zwar ist das Festival international noch nicht so bekannt wie die Festspiele in Salzburg, Luzern, Baden-Baden, Bayreuth oder Aix-en Provence. Doch präsentiert es sich seit 2005 unter der Leitung des norwegischen Opernregisseurs Per Boye Hansen zunehmend ambitionierter. Mit den drei Sparten Musiktheater, Schauspiel und Konzert ist es konzipiert wie Salzburg, und so wie die Österreicher ihren Mozart feiern, verehrt man hier den wohl bedeutendsten norwegischen Komponisten Edvard Grieg. In dessen ehemaligem Wohnsitz im nahe gelegenen Troldhaugen, einer Villa im viktorianischen Stil, finden auch einige Konzerte statt.
Der Fokus liegt aber auf der skandinavischen und isländischen Theaterszene, er gibt den Festspielen Bergen sein besonderes Profil. Zur Eröffnung stand Igor Strawinskys Opern-Oratorium "Oedipus Rex" in einer Inszenierung des Norwegers Eirik Stubø auf dem Programm.
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Filmkritik "Waste Land" (WDR3, 26.5.2011)
Er wurde 1961 in São Paulo geboren, lebt aber seit 30 Jahren in New York: Vik Muniz, einer der wichtigsten brasilianischen Gegenwartskünstler. Für seine großformatigen Arbeiten verwendet er die unterschiedlichsten Materialen – Lebensmittel ebenso wie Müll. Schon mehrfach hat sich Muniz auch sozial engagiert. Die britische Filmemacherin Lucy Walker dokumentiert in ihrem Film "Waste Land" eines seiner aufwendigsten Projekte: die Entstehung einer Installation im "Jardim Gramacho", eine der größten Mülldeponien der Welt. Sie liegt in einem Außenbezirk von Rio de Janeiro, dort, wo die Ärmsten der Armen leben.
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Filmkritik "Joschka und Herr Fischer" (WDR 3, 19.5.2011)
Vom Steine werfenden Stadtguerillero zum Bundesaußenminister: Joschka Fischer ist zweifellos eine schillernde Figur deutscher Zeitgeschichte. Der Regisseur Pepe Danquart hat dem 63-Jährigen, der im baden-württembergischen Gerabronn geboren wurde, nun mit einem Film ein Denkmal gesetzt. "Joschka und Herr Fischer", so lautet der Titel dieses 140-minütigen Dokumentarfilms, der sich jedoch nicht nur auf eine individuelle Biografie beschränkt, sondern von 60 Jahren deutscher Geschichte erzählt. Stets im Blick der Kamera, kommentiert der ehemalige Vizekanzler Archivbilder politischer Ereignisse.
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Porträt Henry Hübchen (WDR3, 11.5.2011)
Er wurde in Westberlin kurz nach dem Krieg geboren, wuchs aber in der frisch gegründeten DDR auf, wo er nach abgebrochenem Physik- und erfolgreichem Schauspielstudium schnell zum gefeierten Bühnenstar an der Volksbühne aufstieg: Henry Hübchen.
Filmkomödien wie "Sonnenallee" oder "Alles auf Zucker" brachten ihm nach der Wende auch im Westen den großen Durchbruch als Filmkomödiant mit unverkennbar frotzelnder Berliner Schnauze.
Nachdem kürzlich das Fernsehen einen Porträtfilm über Henry Hübchen ausstrahlte, ist der beliebte Berliner Volksschauspieler nun in einem neuen Kinofilm zu erleben: "Polnische Ostern", so lautet der Titel dieser Tragikomödie, in der es um Vorurteile von Deutschen gegenüber Polen geht. Gedreht hat sie der Newcomer Jakob Ziemnicki.
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GoEast-Filmfestival Wiesbaden (Deutschlandfunk, 13.4.2011)
Osteuropäische Filmemacher sind längst kein Geheimtipp mehr. Nicht wenige haben mit ihren Produktionen auf großen internationalen Festivals Preise gewonnen wie beispielsweise der Rumäne Cristian Mungiu für sein Abtreibungsdrama "Vier Monate, drei Wochen, zwei Tage". Auch auf dem elften Wiesbadener "GoEast"-Filmfestival in Wiesbaden, das sich zu einer bedeutenden Plattform für das mittel- und osteuropäische Kino entwickelt hat und gestern mit einer Preisverleihung zu Ende ging, präsentierten sich vielversprechende junge Regietalente.
Die "Goldene Lilie", den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis, gestiftet von Skoda Auto Deutschland, gewann der russische Film "Der Heizer" von Alexey Balabanov. Den Preis für die beste Regie verlieh die Landeshauptstadt Wiesbaden an den rumänischen Regisseur Marian Crisan für seinen Beitrag "Morgen". Als besten Dokumentarfilm zeichnete die Jury den polnischen Beitrag "Das Ende eines Sommers" von Piotr Stasik aus.
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Filmkritik "In einer besseren Welt" (WDR3, 17.3.2011)
Die dänische Erfolgsregisseurin Susanne Bier gilt seit ihren preisgekrönten Familiendramen "Open Hearts" und "Brothers- Zwischen Brüdern" als einfühlsame und schonungslos ehrliche Expertin für emotionale und moralische Grenzsituationen. Nach ihrer Hollywood-Produktion "Things we lost in the Fire" stellt sie in ihrem oscarprämierten Drama "In einer besseren Welt" nun erneut ihr Fingerspitzengefühl unter Beweis, die unterschiedlichen Facetten im Umgang miteinander zu beleuchten. Wechselweise in der dänischen Provinz und in einem staubigen afrikanischen Flüchtlingscamp spielt das Drama um Schuld und Sühne, Rache und Vergebung, Gewaltbereitschaft und Pazifismus.
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Ingmar Bergmann-Ausstellung im Berliner Filmmuseum (WDR3, 27.1.2011)
Der schwedische Regisseur Ingmar Bergman (1918-2007) prägte jahrzehntelang das internationale Autorenkino. Die Sonderausstellung im Museum für Film und Fernsehen in Berlin zeigt zum ersten Mal persönliche Dokumente und Arbeitszeugnisse aus seinem Nachlass, der 2007 in das Unesco-Programm "Memory of the World- das Weltdokumentenerbe" mit aufgenommen wurde.
Neben Drehbüchern, Fotos, Skizzen, Tagebüchern und Briefen gibt es auch einige Requisiten, Setmodelle und zwanzig Originalkostüme zu sehen.
Einen Schwerpunkt bildet dabei die faszinierende Überlagerung von autobiografischem Erleben und fiktionalem Werk.
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Bregenzer Festspiele entdecken Miecyslaw Weinberg (WDR3, 3.8.2010)
Sein Biograf David Fanning zählt ihn zu den bedeutendsten sowjetischen Komponisten neben Schostakowitsch und Prokofjew: den polnischen Emigranten Miecyslaw Weinberg, der am 8. Dezember 1919 in Warschau geboren wurde und im Alter von 76 Jahren am 26. Februar 1996 in Moskau starb. In der internationalen Musikwelt allerdings ist Weinberg über seinen Tod hinaus bis heute ein Unbekannter. Einen Anfang mit einer posthumen Weinberg-Rezeption macht der Bregenzer Festspielchef David Pountney, der ihn mit über 20 Werken und einem Symposion würdigt. Im Zentrum stehen zwei Opernproduktionen – das Auschwitz-Drama "Die Passagierin" und die Satire "Das Porträt".
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Flying Broom International Frauenfilmfestival (Deutschlandradio, 13.5.2010 Fazit)
Flying Broom – also Fliegender Besen- nennt sich das Internationale Frauenfilmfestival in Ankara, das am Donnerstag zu Ende ging mit der Verleihung des Fipresci-Filmkritikerpreises an die Schweizer Regisseurin Ursula Meier für ihr Drama "Home" mit Isabelle Huppert. Dieser Film erzählt von den Problemen einer Familie, die an einer wiedereröffneten Autobahn lebt und wurde schon anderswo hochgelobt – wie überhaupt in Ankara eine ganze Reihe von Filmen gezeigt wurden, die im deutschen Kino zu sehen waren: Jessica Hausners Film "Lourdes" zum Beispiel oder Almut Gettos Liebeskomödie "Ganz nah bei dir". Seit seinen Anfängen hat sich das Festival mit einem Anstieg von 20 Produktionen im ersten Jahr auf mittlerweile 100 enorm vergrößert. Das Motto des diesjährigen Festivals lautete "Evil", also Böses und Unheilvolles. Neben renommierten internationalen Produktionen wurden in Nebenreihen auch aktuelle Kurzfilme und Dokumentationen türkischer Filmemacherinnen gezeigt.
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Filmkritik "Giulias Verschwinden" (WDR3, 4.2.2010)
Christoph Schaub ist im Schweizer Kino kein Unbekannter. Sein letzter Film "Happy New Year" erhielt vier Nominierungen für den Schweizer Filmpreis und wurde u.a. beim Internationalen Filmfestival in Moskau 2009 gezeigt. Heute kommt sein jüngster Film ins Kino: "Giulias Verschwinden", so lautet der Titel, ein Film um das Älterwerden. Das Drehbuch dazu schrieb der bekannte Schweizer Romanautor und Kolumnist Martin Suter, der es ursprünglich für seinen Freund Daniel Schmid schrieb. Der aber starb, bevor er das Buch umsetzen konnte. Es dauerte eine Weile, bis es auf dem Tisch von Christoph Schaub landete. Der hat seinen Film hochkarätig besetzt: Von der Partie sind u.a. Corinna Harfouch, Bruno Ganz, Christine Schorn, Stefan Kurt, Sunnyi Melles, André Jung und Susanne-Marie Wrage.
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Filmkritik "Die Schachspielerin" (WDR3, 7.1.2010)
Ein Zimmermädchen bricht durch die Entdeckung ihrer Leidenschaft für das Schachspiel aus der Enge ihres monotonen Familienlebens aus und findet sich selber: Dieses originelle Thema und seine sensible Sprache machten den Roman "Die Schachspielerin" der deutschen, in Frankreich lebenden Autorin Bertina Henrichs vor einigen Jahren zum Beststeller und Kritikererfolg. Die junge deutschitalienische Regisseurin Caroline Bottaro hat diese Geschichte für ihre Leinwandadaption von einer griechischen Insel in die überwältigende Kulisse Korsikas verlegt. Morgen kommt dieser mit Sandrine Bonnaire und Kevin Kline international hochkarätig besetzte Film in die Kinos.
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Filmkritik "Zerrissene Umarmung" (WDR3, 6.8.2009)
Er braucht kaum vorgestellt zu werden, der spanische Regisseur Pedro Almodóvar. Seit seiner Komödie "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs", mit der er 1988 erstmals international große Beachtung fand, begeistert er gleichermaßen Juroren, Kritiker und das Publikum. Seither wurden ihm neben zwei ausländischen Oscars für "Alles über meine Mutter" und "Sprich mit ihr" auch viele Europäische Filmpreise verliehen. Nur die Spanier nahmen ihren mittlerweile 57-jährigen Landsmann gelegentlich kritisch ins Visier, vor allem spanische Tierschützer gingen auf die Barrikaden, als Almodóvar für "Sprich mit ihr" einen echten Stierkampf inszenierte, der vielen Tieren das Leben kostete.
Jetzt kommt sein 17. Werk in die deutschen Kinos: "Zerrissene Umarmungen", der seine Weltpremiere im vergangenen Jahr in Cannes feierte. Ein Film über Liebe, Eifersucht und das Filmemachen.
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Premiere "Marie Victoire" an der Deutschen Oper Berlin (B Klassik, 11.4.2009)
Ottorino Respighis Oper "Marie Victoire" lag fast 90 Jahre lang unaufgeführt im Notenarchiv und staubte vor sich hin. Erst 2004 erlebte die Liebesverwirrgeschichte inmitten der Französischen Revolution in Rom ihre Uraufführung. Warum dieses Stück, das in den Jahren 1912/13 entstand, nicht schon wie geplant Anfang 1915 am Teatro Costanzi in Rom uraufgeführt wurde, darüber lässt sich nur spekulieren. Es war vermutlich die politische Weltlage, die dazu führte: Italiens neutrale Lage im ersten Jahr des Ersten Weltkriegs führte zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Kriegstreibern und Pazifisten. In dieser aufgewühlten Stimmung fürchtete man wohl, die lebhafte Darstellung der Französischen Revolution mit ihren Massentumulten könnte das Publikum zu Saalschlachten anheizen oder zu einem politischen Skandal führen.
In Berlin kam es nun zu einer deutschen Erstaufführung dieses Werkes. Die musikalische Leitung hatte Michail Jurowski.
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Porträt Johannes Felsenstein (WDR 3, 5.1.2009)
Er ist der Sohn des legendären Walter Felsenstein: Johannes Felsenstein, wie sein Vater ein Theaterbesessener, von Kindesbeinen an im Theater groß geworden, Regisseur und seit 18 Jahren Intendant des Anhaltischen Theaters in Dessau.
Lange Zeit war Felsenstein junior, der mittlerweile auch schon 64 Jahre alt ist und sich nach der laufenden Spielzeit zur Sommerpause von seinem Haus verabschiedet, ein Geheimtipp für Operninsider. Das ändert sich jetzt, denn zwei seiner besonders erfolgreichen Produktionen finden dank einer neuen Edition auf DVD nun auch international Beachtung: Es sind dies Wagners Liebesdrama "Tristan und Isolde" und Engelbert Humperdincks Weihnachtsmärchen "Hänsel und Gretel". Erschienen sind die beiden Produktionen bei Arthaus Musik. Sie geben exemplarisch einen Einblick in hohe Theaterkunst Johannes Felsensteins, der bei seinem Vater in die Lehre ging und in seiner Weise weiterwirkt. Kirsten Liese hat die DVDs bereits gesehen und mit dem Regisseur gesprochen.
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Zwei Buch-Publikationen über Sergiu Celibidache (SWR2, 12.12.2008)
Zeit seines Lebens galt er als ein undiplomatischer Ausnahmekünstler mit teils umstrittenen Ansichten: der rumänische Dirigent Sergiu Celibidache. Mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber der Plattenindustrie und abwertenden Urteilen über Kollegen stieß er bei seinen Kritikern ebenso auf Unverständnis wie mit einigen musikalischen Maximen.
Wer genau dieser Mann war, der viele Jahre rastlos als Gastdirigent die Welt bereiste, einige Jahre auch das Radio-Sinfonie-Orchester Stuttgart als Chefdirigent leitete und schließlich in hohem Alter seine musikalische Erfüllung als Chef der Münchner Philharmoniker fand, kann jetzt noch einmal nachgelesen werden. Denn der Augsburger Wißner-Verlag hat gemeinsam mit der Münchner Celibidache-Stiftung zwei neue Schriftenreihen ins Leben gerufen: Celibidachiana I widmet sich den Werken und Schriften des rumänischen Maestros, Celibidachiana II Dokumenten und Zeugnissen über ihn. Bereits erschienen sind kürzlich Celibidaches "Musikalische Phänomenologie" in kritischer Revision der Erstausgabe von 2001 und Klaus Weilers vergriffene, aktualisierte Biografie "Celibidache-Musiker und Philosoph". Herausgeber dieser Publikationen sind Mark Mast von der Celibidache-Stiftung und Patrick Lang.
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