Künstlergespräche

Die von mir moderierte Künstlergesprächsreihe Große Vergangenheit im Foyer der Deutschen Oper Berlin (2009-2011) erfreute sich bei den Sängern und dem Publikum gleichermaßen großer Beliebtheit. Die Stühle reichten oft nicht aus.

Für Dietrich Fischer-Dieskau wurde sein Auftritt am 22. März 2009 zugleich sein letzter in der Deutschen Oper Berlin vor seinem Tod.

Dietrich Fischer-Dieskau. Foto: Deutsche Grammophon
Dietrich Fischer-Dieskau. Foto: Deutsche Grammophon
Lisa Della Casa als Arabella. Foto: Lillian Fayer
Lisa Della Casa als Arabella. Foto: Lillian Fayer

Matinée mit Christa Ludwig (15.11.2009)

Matinée mit Catarina Ligendza (17.10.2010)

Matinée mit Dame Gwyneth Jones (28.11.2010)

Matinée mit José van Dam (27.3.2011)

Elisabeth Schwarzkopf- Die letzten Meisterklassen in Telfs

 

Eine Dokumentation von Kirsten Liese

 

In den Jahren 2005 und 2006 kurz vor ihrem Tod gab Elisabeth Schwarzkopf ihre letzten Meisterklassen in der Villa Schindler im österreichischen Telfs. Die oft als zu streng kritisierte Lehrerin zeigt sich dabei von bislang unbekannter Seite: als eine freundliche und humorvolle Frau, die intensiv und genau mit jungen Sängern arbeitet, ihnen aber auch Anerkennung zollt. 

Von vielen wesentlichen Instruktionen, insbesondere zur Pflege der Kopfstimme, können heute noch viele Sänger profitieren. Mit ihrer letzten, aufgezeichneten Rede in der Villa Schindler hinterließ Elisabeth Schwarzkopf zudem ihr künstlerisches Vermächtnis.

 

 

Stimmen zu der Dokumentation:

 

Tilman Krause:

Was man in der Literaturwissenschaft „close reading“ nennt, kennen Liedinterpreten mit Grips seit eh und je. Das beste „close reading“, also das mikroskopische Erfassen von Worten und der ihr unterlegten Musik im deutschen Kunstlied, hat aber wohl doch die große Elisabeth Schwarzkopf geleistet. Ihre Meisterklassen legen alle davon Zeugnis ab. Auch dieser letzte Kurs mit hochtalentierten Stipendiaten zeigt wieder, wie ernst und genau die mutmaßlich größte Mozart-, Schubert- und Richard-Strauss-Sängerin des 20. Jahrhunderts das Wort-Ton-Verhältnis im deutschen Kunstlied nahm. Bei ihr müssen alle noch so begabten Interpreten noch einmal zurück auf los. Zu Beginn ihres Unterrichts lässt sie ein Stück aus dem „Spanischen Liederbuch“ von Hugo Wolf durchnehmen. Es beginnt mit den Zeilen „In dem Schatten meiner Locken / schlief mir mein Geliebter ein / Weck ich ihn nun auf? – Ach nein!“ Diese schlichten Verse mögen auf den ersten Blick geheimnislos wirken, ja geradezu trivial. Aber wie sie Hugo Wolf in Musik setzt, entfalten sie einen solchen Reichtum an Nuancen und Valeurs, dass man nur staunen kann. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich in eine Gefühlskultur hineinzuversetzen vermag, die eng an die deutsche Sprache gekoppelt ist, aber auch an eine Tradition der Galanterie und Koketterie, die vermutlich längst versunken wäre, wenn wir nicht immer noch die großartigen Liedinterpretationen der Schwarzkopf, der Güden, der Jurinac sowie eben auch Filmdokumentationen wie diese hätten. Denn hier versucht ein Verstehens- und Darstellungsgenie wie Elisabeth Schwarzkopf in nimmermüder Geduld, seine Schäfchen für die Differenziertheiten sprachlicher wie musikalischer Kunstwerke zu sensibilisieren. Das zu beobachten, ist von ganz unerhörtem Reiz. Es stellt eine Übung in Demut, Fleiß, Empathie dar, Tugenden also, die ebenfalls aus der Zeit gefallen zu sein scheinen und die doch zum Verständnis und zur Gestaltung der Kunstlieder eines Schumann, Brahms oder Hugo Wolf ganz unabdingbar sind. Insofern wünscht man dem Mitschnitt möglichst viele bildsame, lernbegierige Betrachter: Sie werden hier nicht nur viel erfahren über Liedgesang. Sie werden ins Zentrum dessen vorstoßen können, was deutsche Kultur und deutsche Mentalität zu ihren besten Zeiten einmal ausgemacht haben. 

 

 

 

Weitere Rezensionen:

 

Peter Sommeregger (Orpheus, Klassik Begeistert)

Sebastian Koik (klassik-begeistert.de)